Der kleine Querblöker

Eben stolperte ich über einen Gedanken aus Lukas 15: Um Jesus hatten sich viele unterschiedliche Menschen gesammelt um ihn zu hören. Lukas berichtet davon und bemerkt nebenbei: auch Schriftgelehrte und Pharisäer waren da. Warum werden diese Menschen besonders erwähnt? Haben sie wegen ihrer Schrifttreue einen Sonderbonus bei Gott? Nein, die einen kamen, weil sie Jesu Worte hören wollten. Die anderen aber waren daran kaum interessiert. Wir lesen immer wieder, dass sie z.B. Fragen stellten um Jesus in eine Falle zu locken... So lesen wir: ... sie waren auch da. Ihnen, also jenen kritiksüchtigen Aufpassern, erzählt Jesus eine Geschichte zum Vergleich.

Das eine Schaf, der verlorene Groschen und die beiden verlorenen Söhne... Eine einzige Geschichte die wir nicht trennen sollten.

Es ist in keiner Weise schmeichelhaft mit einem Schaf verglichen zu werden. Schafe folgen oftmals blind ihrem Leithammel. Das mag sehr gut sein so lange der Leithammel sich vorbildlich aufführt. Ist dieser aber ein Schlitzohr, was leider auch vorkommt, werden die Schafe schnell verführt.

Nun betrachten wir mal diese Herde. Alles sieht sehr gut aus - und doch steckt der Wurm drin. Da sind sehr viele linientreue, angepasste Schafe, die schlicht dem Leithammel folgen. Bequem ist das ja: man braucht überhaupt nicht zu denken. Da aber hapert es schon: keiner prüft, ob sich der Leithammel auch richtig verhält. Keiner? Oh doch, da ist ein kleiner, aufmüpfiger und ganz frecher Kerl. Immer wieder blökt er quer. Der ist echt unbequem. Einige der ganz besonders Braven drängen den Kleinen immer wieder an den Rand der Herde. Er ist ja so unbequem, hält uns allen immmer wieder den Spiegel vor. Da haben wohl die ganz braven ein klitzekleinwenig nachgeholfen: stand der Kleine eh schon am Rand des Abgrundes fiel es ja kaum auf, wenn ein Bisschen geschubst wurde... Schon hing der kleine Querblöker im Gebüsch und konnte sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien. Kläglich klang sein blöken. Wen bekümmerte das schon. Er war ja unbequem, störrisch, eigenwillig... Genau richtig, fand der Hirte. Der mochte den kleinen Querdenker, der sich nicht einfach mit Floskeln abspeisen ließ, sondern gern selbständig denken wollte.

Endlich hatte er ihn gefunden. Das gab ein Fest. Unverhältnismäßig? Meinetwegen, der Hirte hatte ja immer noch 99% seiner Herde. Aber hatte er sie wirklich? Waren es nicht gerade die linientreuen, gerechten und braven Schafe, die den unbequemen selbständig denkenden Kleinen ausbooten wollten?
Gedanken, die zwar ungewöhnlich aber vielleicht heilsam sind.

Da bin ich in Griecheland. Mir fällt auf, dass mir immer wieder junge Frauen begegnen mit goldglänzenden kleinen Münzen am Saum ihrer Kopftücher. Andere aber hatten da keine Münzen. Die Erklärung: verlobte Mädchen kriegen von ihrem Bräutigam zehn Goldmünzen als Brautpfand. Diese muss die Braut bei der Hochzeit vollzählig vorlegen. Sie kann nicht heiraten, wenn sie das Brautpfand nicht vollständig vorlegt. Stellt euch das Gerede vor, wenn eine Braut eine ihrer Münzen verliert. Zwar kann man an jeder Straßenecke solche Münzen billig erstehen: dann sind es aber nicht die Münzen des Verlobten... Die Echtheit darf bezweifelt werden! Die Münzen haben an sich keinen besonderen Wert: ihr Wert besteht aber darin, dass es die Münzen des Verlobten sind. Dadurch sind sie unersetzlich.

In unserer Geschichte sehen wir, wie die Braut ihr Haus auf den Kopf stellt um die echte Münze zu finden. Gewöhnlich liest man: die Braut = Gott. Dann hat diese Frau ein Haus, zwangsläufig Gottes Haus, also die Gemeinde. So steht also hier, dass es Gott einfallen könnte wegen dieser billigen Münze seine Gemeinde auf den Kopf zu stellen: zum Vorschein kommt schließlich, was in den Augen der braven, linientreuen Masse kaum was wert ist: ein gestrauchelter Mensch... z.B. ein Drogenabhängiger, der sich im Leben nicht zurechtfindet. Warum schickt uns Jesus an die Hecken und Zäune um die Gestrauchelten zu ihm zu bringen?... Weil gerade diese Menschen zu seinen Lieblingen gehören.

Die beiden Buben. Einer brav und fleißig, ganz linientreu - und unglücklich. Der andere aufmüpfig, will sein Erbe und haut ab. Der Vater? Er wartet. Der Große schuftet weiter und versteht die Welt nicht mehr. Und Vater wartet... Da kommt der Kleine in Sichtweite, vollständig ausgebrannt und heruntergekommen. Überglücklich schließt Vater seinen Jungen in die Arme, kleidet ihn neu ein und macht ein Fest. Und der brave Große. Er wendet sich ab: ...da nun dieser, dein Sohn... Anders gesagt: Ist dieser Dein Sohn, dann habe ich nichts mehr mit dir zu schaffen.

Nochmals zu Jesu Zuhörer: viele wollten ihn hören. Aber der frommen Elite passten diese Menschen nicht in den Kram.

Eine kleine Frage muss ich mir immer wieder selbst beantworten: zu welcher Gruppe der Zuhörer gehöre ich? Noch kann ich die Front wechseln...

Willy

 

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