Vom Beten

Was ist eigentlich beten? Geht es um etwas, das ich täglich mal tue? Ist das ein Anhängsel, damit ich meine Pflicht getan habe? Oder worum geht es?

Vor etlicher Zeit erschrak ich sehr. In meiner Gemeinde fand ich die Einladung zum wöchentlichen liturgischen Gebet. Also Gebet in einer kunstvollen, geistlich vollendet geschliffenen Form? Religiöse Geister lassen grüßen!

Ich fürchte, mit solchen Formen laufen wir in eine völlig andere Richtung als Jesus meinte. Er spricht nämlich von Menschen, die in ihrem Wesen wie die Kinder sind. Stell Dir Dein Kind vor. Es kommt von der Schule nach Hause und stellt sich vor Dich hin: „Meine geliebte Mutter, Du sorgst ja immer so wunderbar für die Notleidenden. Hast Du bitte die Güte mir ein bescheidenes Stückchen Brot zu reichen?“ Es gibt wohl zwei Möglichkeiten für Deine Reaktion: Du greifst Deinem Kind an den Kopf um zu fühlen wie hoch seine Temperatur ist – oder Du kriegst einen Lachkrampf und fragst Dich, wo Dein kleiner Bengel seine geschwollenen Rede her hat. Wie unmöglich würde so etwas aussehen und klingen...

Nein. Dein Kind rennt rein, springt an Dir hoch. Es gibt Dir ein Küsschen und sagt, Mami, ich hab Hunger! Und Du gibst ihm gerne was es braucht.

Warum handelt es so? Dein Kind kennt Dich. Wenn es mit jemandem nicht vertraut ist, wird es nie so handeln. Es ist hier zu Hause. In der vertrauten Umgebung benimmt sich ein Kind ganz natürlich.

So ist das auch mit meinem himmlischen Vater. Wenn ich mit ihm vertraut bin, kann ich ihn auch jederzeit ansprechen, kann ihm sagen wo der Schuh drückt.

David sagte einmal von sich: „Ich bin ganz Gebet.“ Erstaunlich, war er doch Staatsmann, Richter, Familienvater, Organisator des Tempeldienstes... Wo blieb da Zeit so ganz Gebet zu sein? David hatte erfasst, dass Beten nicht nur Tätigkeit sondern Lebensstil ist.

Ich habe eine schöne Beziehung zu meiner Frau. Muss ich mich dabei anstrengen auch bei meiner Arbeit mit meinen Gedanken bei ihr zu sein? Kaum. Vielmehr beflügeln die Gedanken an ihre Liebe meine Kreativität. Ich arbeite leichter, weil es mir Spaß macht, für sie da zu sein. Und genau so geht es mir mit Gott. Wie oft habe ich keine Worte um ihm meine Liebe zu bezeugen. Geschwollene Reden bringen mich nicht weiter. Da hat er mir ein wunderschönes Geschenk gemacht: die neue Sprache, die ich durch seinen Geist erhalten habe. Die kann ich laut oder still jederzeit anwenden um anzubeten. Und Vater weiß wo er den Segen hinfließen lassen soll. Das mag eines der Geheimnisse sein, weshalb Gebetserhörungen zu meinem Alltag gehören. Ich suche den Vater – nicht seine Geschenke.

Möchtest Du so einen engen, vertrauten Umgang mit Gott erleben? Oft treffe ich mich mit Geschwistern zum beten in verschiedenen Chats. Möchtest Du mitbeten? Melde Dich doch bei mir mit einer mail. (Kontaktformular) So können wir Zeit und Ort abmachen.

Du denkst, das kommt doch nicht einfach so.

Sicher, das tut es auch nicht! Was hier geschieht ist das Nehemiaprinzip, wie ich das gerne nenne.

Diesen Mann und seine Arbeitsweise wollen wir kurz betrachten.

Seine Brüder berichteten ihm von der Notlage der Juden in Jerusalem. Da zog er sich zum fasten und beten zurück. Monatelanges Gebet waren der nächsten Begegnung mit seinem Vorgesetzten vorangegangen. Niemals durfte jemand mit bekümmertem Gesicht diesem Herrscher gegenüber treten. Je nach Laune würde ihn der König umbringen. Nur so kann ich mir den Schrecken vorstellen, den Nehemia erlebte, als der König feststellte, dass er wohl ernsthafte Probleme habe.

Dann aber lese ich mehrmals den Satz: Ich betete zu Gott und sprach zum König. Nach dieser Gebets- und Fastenzeit konnte Nehemia einen Stoßseufzer zu Gott schicken und dem König die Antwort Gottes weitergeben.

Von nichts kommt nichts! Wenn ich blau in den Tag hinaus lebe und mich keinen Deut um Gott und sein Reich kümmere, muss ich mich nicht wundern, wenn sich dieser Gott nicht darum müht, wenn ich plötzlich nach ihm schreie... Und doch ist er oft so gnädig und antwortet auf einen solchen Hilfeschrei.

Hier bemühte sich Nehemia alles aus seinem Leben auszuräumen, was ihn von Gott trennte. Das Ergebnis? Er baute Jerusalem wieder auf.

Pfarrer Fritz de Rougemont entstammte einem alten Fürstengeschlecht in Neuenburg. Es war seit vielen Generationen Sitte, dass der älteste Sohn Schloss und Regentschaft erbte. Der nächste aber wurdeStadtpfarrer an der Schlosskirche. Und seit vielen Generationen waren immer wieder entschiedene Christen an diesem Platz. Pfarrer Fritz war in den dreißigern mit der Pfingstbewegung in Kontakt gekommen und er bat Gott ihn auch mächtig mit seinem Geistesfeuer auszurüsten.

Pfarrer Fritz machte dann Urlaub mit seiner Familie. Doch er erbat sich, jeden Morgen im Gebet zu verbringen. Seine Kinder fanden es ein wenig komisch... Aber sein Hunger nach Gott war stärker. In der letzten Urlaubswoche hatte er eine mächtige Begegnung mit Gott. Hörbar redete Gott: Willst Du mich wirklich erleben? -- ja – Dann gib mir Deinen Pfarrer – Wie?! -- Deinen Pfarrer will ich haben. Leg ihn ab! Fritz de Rougemont erlebte wohl die schlimmsten Stunden seines Lebens. Aber Gott siegte. Als er bereit war alles herzugeben, die Stellung in Kirche und Familie, seine Aufgaben in der Stadt... da erfüllte ihn der Geist mächtig und rüstete ihn aus für seinen weiteren Dienst.

Sonntag in Neuenburg. Es war etwas ungewohnt. Der Pfarrer hatte seinen Lutherrock wohl vergessen. -- Seit heute früh habt ihr keinen Pfarrer mehr. Ich habe ihn Gott zurückgegeben...

Pfarrer Fritz baute in der Folgezeit dutzende kleiner Hausgemeinden im französischen Jura auf. Auch seine Familie verzichtete auf vieles. Aber das Feuer Gottes, das er entzündete ist bis heute nicht erloschen. Fritz war ein Nehemia-Christ geworden: Alles oder nichts, aber ich muss Gott erleben!

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